Ein Ausflug in die kühnen Künste

Wie halte ich einfach allen in meiner Umgebung den Spiegel vor?

Ein russischer Performance Künstler setzt sich mit dem eigenen Körper selbst ein und weckt oder verstört seine Mitmenschen… Ein abgefahrener Kerl der mich schon ein wenig beeindruckt.

Roter Platz

Doku: Der Mensch und die Macht | Kinostart 16.03.2017 Der russische Aktionskünstler Pawlenski

2012 erregt der russische Politkünstler Pjotr Pawlenski internationales Aufsehen, als er sich den Mund mit einem groben Faden zunäht, um im Zentrum von St. Petersburg den verurteilten Mitgliedern von „Pussy Riot“ seine Solidarität zu bezeugen. Künstler – so will er zeigen – seien in Russland zum Schweigen verurteilt. Im November 2013 setzt er sich nackt vor das Lenin‐Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau und nagelt seinen Hodensack fest. Die Aktion steht für Apathie und politische Gleichgültigkeit in der modernen russischen Gesellschaft.

Die Autorin Irene Langemann ist 2015 und 2016 nach Russland gereist, um den Politkünstler Pjotr Pawlenski mit der Kamera zu begleiten – in Freiheit und in Haft. Ihr Film kommt jetzt in die Kinos.

Passiver Widerstand in Form von spektakulären Kunstaktionen

Stacheldraht

Bei den meisten Aktionen tut Pawlenski nichts: er liegt, steht oder sitzt. Alles, was um ihn herum passiert, führen die Vertreter der Macht aus. Und er führt sie vor. Wie sie ihn wegschleppen, sich in Stacheldraht verheddern, den Nackten zu bedecken versuchen. Groteske Szenen. Erste Versuche, den Künstler anzuklagen, verlaufen im Sand. Eine Ärztin weigert sich, in ihrem Gutachten Pawlenski für unzurechnungsfähig zu erklären.

Im November 2013 setzt sich Pjotr Pawlenski nackt vor das Lenin‐Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau und nagelt seinen Hodensack fest. Die Aktion steht für Apathie und politische Gleichgültigkeit in der modernen russischen Gesellschaft.

Untersuchungsrichter quittiert Dienst nach Verhör mit Pawlenski

Ein Untersuchungsrichter ist so fasziniert von seiner Persönlichkeit, dass sie schließlich lockere Gespräche über Kunst und Politik führen. Pawlenski hat sie heimlich aufgezeichnet. Der Ermittler hat mittlerweile den Dienst quittiert, arbeitet als Anwalt und ist froh, dass seine früheren Chefs nichts von den Aufzeichnungen wussten. „Sie hätten mich geköpft“, sagt er im Interview.

Pavlensky Roter Platz

Bei den meisten Aktionen tut Pawlenski nichts: er liegt, steht oder sitzt. Alles, was um ihn herum passiert, führen die Vertreter der Macht aus. Und er führt sie vor.

Symbolischer Angriff auf den russischen Geheimdienst führt zu Haft

Schließlich wird eine symbolische Anspielung auf die Maidanbewegung Pawlenski zum Verhängnis. 2014, als in Kiew ein Winter der Hoffnung anbricht, zündet er mit Helfern Reifen auf einer Petersburger Brücke an, sie schlagen mit Knüppeln auf Bleche und schwenken die ukrainische Fahne. Ein Gerichtsprozess wegen Vandalismus wird gegen ihn eingeleitet. Als er im November 2015 die Tür des FSB (früher: KGB) anzündet, wird er festgenommen, ein zweiter Prozess wird in Moskau gegen ihn angestrengt. „Das Tor zur Hölle brennt nicht“ – der  Angriff auf die mächtigste Institution des Landes, den russischen Geheimdienst, hat sein Tor zur Außenwelt erstmal verschlossen

Pavlensky

Mit seinen Aktionen erregt der russische Politkünstler Pjotr Pawlenski immer wieder internationales Aufsehen

Arte-Interview zum Asyl in Frankreich mit Regisseurin Irene Langemann

http://www.swr.de/film/verleih-trailer-der-russische-kuenstler-pawlenski/-/id=5791128/did=18386700/pv=embedded/yr4v5r/index.html      -och Mensch ich krieg das Video nicht rein

Irene Langemann zeigt in amüsant-grotesken Szenen den Kampf Kunst gegen Staatsmacht

Mit viel Mut und Ausdauer ist die Autorin Irene Langemann 2015 und 2016 nach Russland gereist, um den Politkünstler Pjotr Pawlenski in Freiheit und während seiner Zeit in Haft zu begleiten.  Wer ist dieser Pawlenski, der seine Überzeugungen so radikal lebt, für Freiheit kämpft um den Preis seiner eigenen? Dank Originalprotokollen von Gerichtsverhandlungen sind der Autorin entblößende und auch immer wieder amüsant-groteske Szenen gelungen, die den Kampf Kunst gegen Staatsmacht bebildern. Der Film gibt tiefe Einblicke in ein Russland, das sich nicht zum Schweigen verurteilen lässt.

Pawlenski näht sich den Mund mit groben Faden zu, um im Zentrum von St. Petersburg den verurteilten Mitgliedern von „Pussy Riot“ seine Solidarität zu bezeugen. Künstler – so will er zeigen – seien in Russland zum Schweigen verurteilt.
Der Film „Der Mensch und die Macht“ (99 Minuten) kommt in Deutschland am 16 März 2017 in die Kinos und hatte Weltpremiere auf dem Internationalen Festival Dok Leipzig am 1.11.2016. Nach Festivalauftritten in Leipzig, Moskau, Biarritz und Helsinki wurde der Pawlenski-Film im März auf dem Festival in Prag „One world“ gezeigt – demnächst folgen Montreal FIFA und Taiwan CIADFF.

Die Fassung für ARTE (58 Minuten) mit dem Titel „Kunst gegen Staatsmacht“ wird 2017 zu sehen sein.

 

 

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