La Graciosa- …Reiselüste

mal wieder hinfahren…denn es fehlt seit Anfang Oktober der Vitamin D Schub! Ich möchte mal wieder paar Stunden am Meer mein Reservoir auffüllen. Schnee ist ja was wirklich feines, auch dass der seit Tagen konstant liegen blieb da wir gerade Väterchen Frost zu Gast hatten. Aber die nächlichen Kippen hinterm Haus würd ich lieber bei 15°C am Strand, beispielsweise hier genießen:

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Montana Amarilla

Kälter als 14°C hab ich dort noch keine Nacht erlebt, doch wenn der Atlantische Wind, wie so oft hier drüberpfeift, kann auch so ne Temp. ungemütlich sein, was mit genug Klamotten aber relativierbar ist.

Das andere mit diesem manchmal vermaledeiten Wind ist aber der besondere Umstand dann, wenn es dir einfach nicht gelingt ’ne vernünftige Kippe dreh’n zu können, weil der Tabak einfach nicht im Papier, bzw. drauf bleiben will, und es nirgendwo ein windgeschütztes Fleckchen gibt.  Das sind die kleinen Nöte, die mich Festland-rauch-mensch sonst nur selten beschäftigen.

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Ende Februar. Vollmondaufgang. Rechts der letzte Zipfel Lanzarotes

In ca. 20Min. schafft einen die Fähre von Lanza auf die Anmutige Insel. Den Namen hat sie wirklich verdient; 1999 setzte ich mit meinem Rad samt Zelt und dem restlichen Campingzeugs spaßeshalber mal über, auch wenn die gelesenen Reiseführer meinen damaligen Optimismus nicht gerade bestärkt hatten.                                                                      Was willst mit dem Rad hier, wo es nicht EINE asphaltierte Straße geben soll? Wo es nichts kulturelles aber viel stille Landschaft zu erleben geben soll. Und so gelang ich nach zwei Nächten auf Lanza hierhin, ein gleichaltriges Mädchen erzählte auf der Überfahrt von einem tollen Strand und wir beschlossen gemeinsam den langen Weg dorthin zu gehen.  Irgendwo rechts im Bild ↓ liegt das bewohnte Dorf, dann führte die holprige Sand-und Steinpiste links dieses etwa 270m hohen Vulkan vorbei und weiter zum im linken Bild-drittel gelegenen, spitzen Auswurfhäubchen, immerhin auch noch 152m, wo ES oder dieser sagenhafte Strand sein sollte .

montana-mojon-ausblick

Irgendwo mitten auf unserm fröhlichen spazieren dorthin kam uns nicht mehr die frische Seeluft, sondern ein barbarischer Gestank entgegen. Hatten diese „Hinterwäldler“ doch einfach eine Senke inmitten ihrer schönen Landschaft zu ihrem offenen Müllloch auserkoren. 25m lang, drei tief und ungefähr acht Meter breit, und Möwen ersetzten kreischend die Geier.

Da bist erstmal abgeturnt, doch als wir dann 40min. weitergelaufen waren, das wütend laute Meer immer näher rückte und wir schließlich hinter letzter Anhöhe endlich auf den Strand vor uns blickten, war all der idiotische Gestank und Unverstand vergessen.                               Wenn dieser Strand schattige Palmen bieten könnte, würd er es locker mit anderen Orten irgendwo auf der Welt aufnehmen. Doch einen „wilden“ Baum suchst auf La Graciosa vergebens.

Fünf mal in 16 Jahren besuchte ich das kleine Eiland seither. Sehe dann , was verändert und meistens verschlimmbessert wurde.                                                                                                 Und nur schwer bekomm ich es in den Kopf, wie die paar Leute dort leben können. Diese zwischen 500- 600 Inselbewohner. Vielleicht 13 größere Familien und viele sehen sich auffällig ähnlich…  Und dazu noch

  • kein Süsswasservorkommen,
  • keine natürlich lebenden Pflanzen die höher als 1,5m in den Himmel reichen,
  • kein Schatten ohne Sombrero, Tücher oder Schirm, – außer du sitzt unter einem den die Lokal- oder Barbetreiber selbverständlich draußen aufstellen oder lehnst dich irgendwo an ’ne Hauswand,  allerdings gibt es nur zwei Ansiedlungen und die eine, Pedro Barba, wird nur im Sommer bewohnt, in den vermutlich anderen acht Monaten gleicht es dort einer leergefegten Filmkulisse, die ein einzelner Gärtnersmann dann so lange bewässert, bis die reichen Sommersleut wieder ihre Fensterläden öffnen, den angewehten Sand beseitigen und sich wieder selbst um ihre überaus ansehlichen Gewächse kümmern
  • der Wind, der den Menschen dort den Sand in ihre deshalb verrammelten Häuser reinweht und von Zeit zu Zeit auch mit einem Bagger verschoben werden muss, wenn die Sandpisten zu den verschiedenen Stränden darunter zu versaufen drohen,
  • scharfe und unfreundliche Steine, doch sooo faszinierend und reizvoll schön!
  • die kleinen Wunder, wo und wie es die Flora trotzdem schafft, sich ihren Raum hier zu erobern,
  • seltene und meistens auch nur selten zu sehende Tiere                                               (darunter auch Zweifüßer, meist deutscher – & brit. Art),
  • fünf unwirklich schöne Strände,
  • fünf größere Vulkane, davon ein sehr rötlicher und ein teils ockergelber mit unzähligen Höhlen im brüchig weichen, unfertig verbackenem Sandstein:20140718_122639

und mir scheint nicht, daß diese Insulaner sich etwas aus ihrer Insel machen, denn irgenwann nach so vielen Wochen dort wurd mir klar, daß nur wir Fremden die sind, die  man außerhalb von Caleta del Sebo anzutrifft. Außer ein paar wenige Männer die ihre Stunden fischend am Meer verbringen und die ich so viel mehr schätze als die drei, fünf, sechs anderen, die mit ihren Jeeps lärmend und langen Staubwolken hinter sich herziehend, diese schnelllebigen oder faulen sch…-tagestouristen von Lanzarote zu jedem anderen Strand hinkarren und zu ausgemachter Zeit wieder abholen kommen.                       Mit Aufschriften auf ihren Wägen wie „Safari – La Graciosa“, die Telefonnummer fett drunter geklebt, so fahren sie die maximal längsten Strecken zur Playa Lambra im Nordosten oder ans südwestliche Punta del Pobre das 7Km entfernt liegt und außer der tollen Aussicht auf obiges Bild nicht viel großartiges bieten kann.                                      Jedenfalls nicht für einen der Tagesausflügler, die im Winter schon wieder gegen 17.00Uhr auf ihrer letzten Fähre sein müsen.

Dann ist es wieder still, vermutlich sind die ansässigen froh, wieder ihre Kindheitsstimmumg in den Geist rufen zu können, weil da nicht diese verrückte Umtriebigkeit war.  Dann kommen sie aus ihren Häusern, sitzen neben der Bäckerei auf den Bänken zum Hafen, gehen einkaufen, tratschen beim Metzger, in den inzwischen wieder drei Supermärkten, (wenn der eine im Hafen nicht schon wieder dicht gemacht hat) oder treffen sich sonstwo.

Es ist ein Open-Air Knast, dacht ich schon einige Male.

Die Familien gehen essen, man sitzt vor und in den Bars, die Glotzen laufen inzwischen unvermeidlich auch überall, es wird rumgegestikuliert, Fischer schreien von ihren Booten irgendeinem an Land was zu, die immer gleichen vor’m Meson spielen Domino, die Kinder tollen herum, die Lichter gehen an, der Mittag wird von der Nacht zugedeckt; dann genieße ich das Pfeifen, das der Wind in der Takelage der Segelboote nun wieder bis zur Geschäftigkeit des Morgens ganz alleine bestimmt.

(Fortsetzung kommt garantiert)

pinkarmscrossedHier der zweite Teil

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2 Gedanken zu “La Graciosa- …Reiselüste

  1. Pingback: Alexanders neueste Tagesenergie! | Wolkenreich

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